Meer sein.
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- Veröffentlicht: 02. November 2013
Erinnerst du dich noch an deinen ersten, richtigen Kuss? Das erste Mal, als du deinem Liebsten oder deiner Liebsten so richtig in die Augen geschaut hast? Weißt du noch, damals, als du mit deiner besten Freundin oder mit deinem besten Freund lachend auf der Wiese lagst und fast keine Luft mehr bekommen hast?
Oder die peinliche Stille bei deinem ersten, wirklich miesen Date? Wie war die erste Nacht in deiner ersten eigenen Wohnung? Oder die erste Fahrt mit deinem ersten, eigenen Auto?
Es waren vielleicht nur Sekunden, Minuten, oder ein paar Stunden. Aber es hat sich nach mehr angefühlt. Nach Meer.
Würden wir alle bedeutenden Momente des Lebens zusammennehmen, sie ergäben ein ganzes Meer aus Zeit.
Viel zu oft haben wir das Gefühl wir hätten alles im Leben. Alles, bis auf Zeit. Sie rinnt uns durch die Finger, und wenn wir nicht aufpassen, haben wir nicht mehr so viel übrig, wie wir gerne noch hätten. Aber in Wahrheit ist mehr als genug davon vorhanden. Ein irlandisches Sprichwort sagt: Als Gott die Zeit schuf, schuf er viel davon. Und es ist wahr. Auch wenn es uns so vorkommt, eine Minute hat doch ständig sechzig Sekunden. Also sechzig Möglichkeiten eine Entscheidung zu treffen, eine Chance zu ergreifen. Sich zu verlieben, glücklich zu sein. In einer Minute hast du sechzig Mal die Gelegenheit alles zu verändern. Eine Minute bietet sechzig Chancen, das Richtige zu tun. Oder das Falsche - und daraus zu lernen. Sechzig Sekunden, die zusammen vielleicht nur eine Minute ergeben. Aber in Wahrheit kann daraus ein ganzes Meer aus Zeit entstehen. Ein Meer, so bedeutend wie die Momente, aus denen es gemacht ist.
Wir sollten uns dafür entscheiden. Jeden Tag. Wir sollten alles sein wollen.. und noch mehr. Wir sollten Meer sein. Und selbst wenn es nicht gelingt.. Dann haben wir noch immer die Möglichkeit unseren Liegestuhl auszupacken, uns an unseren Strand der Träume zu setzen und unserem Meer zuzusehen, wie es hoffnungsvolle Wellen bricht, an deren Fuße die Erinnerungen schäumen und langsam die Flut des Lebens einsetzt.
Meer sein. Eine schöne Vorstellung. Schließ die Augen und versuch es. Versuch mehr zu sein. Versuch Meer zu sein.
Nähe.
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- Veröffentlicht: 22. Oktober 2013
Nähe. Vier kleine Buchstaben, gemeinsam eine riesige Bedeutung.
Wir alle wünschen uns Nähe. Wir wollen nah sein. Wollen den Menschen nah sein, die wir lieben. Wir wollen Dinge zeitnah erledigen. Wollen nah am Geschehen sein. Wir wollen Nähe.
Ständig denken wir, dass wir uns nirgens so sehr verlieren können, wie in der Ferne. Fern vom Alltag, fern von unseren Sorgen und Problemen. Aber in Wirklichkeit ist es die Nähe, in der wir uns verlieren. Wir verlieren uns in den Augen unseres Partners, in den tröstenden Armen unserer Freunde. Wir verlieren uns in dem Gedanken, dass Nähe jenes erstrebenswerte Ding in unserem Leben ist, das uns alles gibt, was wir brauchen.
Und es ist schön, sich in der Nähe zu verlieren. Wohl wissend, dass jemand da ist, der uns auffängt.
Nähe ist die Erfüllung einer unbeschreiblichen Sehnsucht. Jener Sehnsucht, von der wir stets behaupten, dass wir sie eigentlich gar nicht empfinden. Aber in Wahrheit ist dieser Drang nach Nähe der Grund, wieso wir ständig auf der Suche sind. Ständig versuchen etwas zu finden. Wir wollen nah sein. Menschen, unseren Träumen, unseren Wünschen und Hoffnungen. Wir wünschen uns Nähe. Und zwar so viel, dass wir darin ertrinken können.
Und doch gehört es zu den schwierigsten Herausforderungen des Lebens Nähe zuzulassen. Sie zu erkennen. Die Arme auszubreiten und einfach nah zu sein. Dem Leben nah sein. Sich bewusst sein, dass in den Momenten der Nähe einfach alles passieren kann. Welten können vor unseren Augen zerbrechen, Luftschlösser können niederbrennen. Traumstrände untergehen. Egal was, solange wir diese beruhigende Nähe spüren, werden wir alles verkraften können.
Nähe ist mehr als Freundschaft oder Liebe. Es ist mehr als Familie oder Geborgenheit. Es ist jenes wahnsinnig seltene und kostbare Zeitfenster, jener winzig kleine, schwer auffindbare Ort, dessen Existenz so flüchtig ist wie der Augenblick. Und wenn wir es finden, sollten wir es festhalten. Und zwar so lange es geht.
Nähe ist, was das Leben ausmacht. Was uns nachts ruhig schlafen lässt. Was uns die Sicherheit gibt, dass es etwas gibt, wofür es sich weiterzumachen lohnt.
Was sind wir nur ohne Nähe? Einsam? Oder einfach nur unterwegs?
Vielleicht sind wir so lange ruhelos und rastlos, bis wir so fern sind, dass wir bereit sind Nähe zu finden. Gott weiß, wie weit fern genug wohl sein mag. Ich weiß es nicht. Ich warte jeden Tag auf die Antwort.
Der Herbst.
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- Veröffentlicht: 20. Oktober 2013
Unversehens ist es Herbst geworden. Die Nächte werden länger, die Tage werden kühler. Das Leben um ums herum scheint zu sterben. Tonnenweise Laub segelt friedlich auf den Boden, bedeckt Wege und Straßen, verwandelt die Welt in einen bunten Schauplatz des Kreislauf des Lebens. Es ist eine ruhige Zeit. Eine Zeit, die uns Raum gibt um darüber nachzudenken, welchen Ballast wir selbst wegwerfen sollten, um zu überleben.
Wir tragen ständig tonnenweise Laub mit uns herum. Abgestorbene Blätter - vielleicht schön anzusehen - aber doch nur Dinge, die unser Leben einst schmückten und uns irgendwann zu viel Energie kosteten, um sie noch weiter mit Kraft zu versorgen. Und obwohl sie längst abgestorben sind, aus unserem Leben einfach davongesegelt, bringen wir es nicht übers Herz sie loszulassen. Fast so, als würden wir sie jederzeit wieder aufsammeln und erwecken können - wohl wissend, dass es unmöglich ist.
Ständig stirbt in uns etwas. Wünsche, Träume, Hoffnung. Freunschaften sterben. Liebe. Vertrauen. Wir geben dauernd kleine Teile unseres Selbst auf, um es durch etwas Neues zu ersetzen. Diesen Prozess nennen wir dann "Veränderung". In Wahrheit verändern wir uns nicht. Wir beseitigen Altlasten und füllen die Leerstellen mit Neuem. Mit neuen Wünschen, Vorstellungen, Träumen. Wir finden Hoffnung. Wir treffen auf Menschen, die unsere Freunde werden. Wir begegnen Personen, die wir aufrichtig lieben können. Unser Leben kennt keinen Winter und keinen Sommer. In uns ist ein ständiger Wechsel zwischen Herbst und Frühling. Während wir uns von liebgewonnen Dingen verabschieden, erblühen irgendwo schon wieder neue Abenteuer, neue Herausforderungen und Hindernisse, die nur darauf warten gelebt, erlebt und erklommen zu werden.
Wir befinden uns im ständigen Prozess. Erblühen und Verblühen gehen Hand in Hand. Alles wird anders. Und ständig wird alles neu. Wir sind es uns selbst schuldig unnötigen Ballast abzuwerfen. Wegzukehren. Die verwelkten Blätter aus unerfüllbaren Wünschen, zerstörten Träumen und vergangener Hoffnung aus dem Leben entfernen. Platz schaffen. Wir werden die zauberhaften Blumen nicht sehen, die vor unseren Augen erblühen, wenn sie bedeckt sind mit den abgestorbenen Erinnerungen an den letzten Frühling.
Die Wahrheit über den Herbst ist, dass mehr Leben in ihm steckt als wir es vermuten. Dass er gütiger ist, als wir glauben. Dass er öfter stattfindet, als einmal im Jahr. Und dass wir ihn brauchen. Wenn niemals etwas stirbt, wird niemals Platz für etwas Neues entstehen.

Wer suchet, der findet?
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- Veröffentlicht: 18. Oktober 2013
Wissts ihr noch, früher, als wir ständig irgendwelche Dinge gesucht haben, sie nicht gefunden, nach unserer Mutter gerufen und die hatte es mit einem Handgriff? Meine hat dabei immer verschmitzt gelächelt und gesagt: "Wer suchet, der findet."
Heute frage ich mich manchmal, ob sie damit recht hat. Kann die Tatsache, dass du suchst, wirklich als logische Schlussfolgerung haben, dass du fündig wirst? Wo bleibt die Hand des Schicksals, die es mit einem Griff plötzlich herzaubert?
Und würden wir es finden, wäre es genau das, was uns gefehlt hat?
Jemand hat mal zu mir gesagt: Die Suche ist das, was uns vorantreibt. Und die Tatsache, dass wir niemals fündig werden ist das, was uns zerbricht.
Heute kommt mir dies viel wahrscheinlicher vor als die Aussage: Wer suchet, der findet.
Wir suchen ständig. Wir suchen einen Sinn, suchen die Wahrheit. Wir suchen Zusammenhänge und Erklärungen, wo es gar keine gibt. Wir suchen Gründe und vor allem suchen wir die Liebe. Zufriedenheit. Glück. Wir sehen es als Ziel an. Das Ziel einer langen Reise. Stets vergessend, dass es Dinge sind, die nicht am Ende gefunden werden, sondern irgendwo am Wegesrand.
Das Phänomen am Suchen ist doch stets, dass wir dabei etwas finden, das wir eigentlich gar nicht gesucht haben. Etwas, von dem uns gar nicht klar war, dass wir es vermisst haben. Etwas, das uns nie gefehlt hat, solange wir es nicht besessen haben. Und wenn wir es denn nun besitzen, ist uns meistens gar nicht klar, wie viel es eigentlich bedeutet. Wie schrecklich mühsam es ist es zu behalten. Und wie viele Menschen sich danach verzehren das zu haben, was uns zufällig in den Schoß gefallen ist.
Gesundheit. Ist dir eigentlich klar, wie wertvoll sie ist? Glück. Ist dir eigentlich klar, wie schnell es wieder verschwinden kann? Liebe. Ist dir eigentlich klar, wie selten sie ist?
Die Suche ist ein kleines Miststück. Egal was du alles finden wirst, du wirst niemals zufrieden sein, solange es nicht das ist, was du dir vorgestellt hast. Und die Möglichkeit, dass irgendetwas jemals genau so ist, wie wir es uns wünschen, ist verschwindend gering. Wir vergessen viel zu oft zufrieden zu sein. Dinge zu schätzen, die nicht selbstverständlich sind. Uns entfällt viel zu oft die Tatsache, dass es weniger sein könnte. Dass es im Leben nicht darum geht sich etwas vorzustellen und genau das zu bekommen. Es geht darum mit offenen Augen durchs Leben zu gehen, stets darauf bedacht bereit zu sein jederzeit am Wegesrand etwas zu finden, das vielleicht nicht unsere Fragen beantwortet, aber so viele neue Fragen aufwirft, dass wir die Reise mit Freude fortsetzen.
Und das ist meine Wahrheit über die Suche: Suche bedeutet Fortschritt. Finden kann uns niemals das geben was wir brauchen - einen Grund um weiterzugehen.


