Ein neuer Tag.

An manchen Tagen stehst du auf und fühlst dich neu. Wie neu geboren. Alles fühlt sich anders an. Und irgendwie hat sich alles verändert. Und es ist wahnsinnig schön zu bemerken, dass nicht immer alles dazu verdammt ist so zu bleiben wie es ist. Es gibt Dinge, die sich ändern. Man selbst kann sich ändern. Du kannst morgens aufwachen und plötzlich begreifen, dass du ein anderer Mensch geworden bist. Dass das Leben weitergeht - egal wie hart der Schicksalschlag auch gewesen sein mag. Egal, wie groß die Verluste waren. Egal, wie viele Schmerzen zu aushalten musstest. Egal, wie tief du gefallen bist. Es geht weiter. Dinge ändern sich. Dein Leben ändert sich. Du kannst dich ändern.

 

Und andererseits gehört es wohl auch dazu zu erkennen, dass man nichts ungeschehen machen kann. Egal wie sehr du bereust, egal wie sehr zu bedauerst und dich schämst - deine Vergangenheit gehört zu deinem neuen Ich. Es macht dich aus. Es hat dich werden lassen. Hat dein Leben werden lassen. Alles was passiert ist hat dazu beigetragen etwas aus dir zu machen, das sich nun neu anfühlt. Und mag es noch so schmerzhaft sein und willst du es noch so sehr vergessen.. Es gehört dazu. Und vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis im Prozess des Vorankommens: akzeptiere deine Vergangenheit. Du musst dich nicht freuen, dass du dabei warst und natürlich kannst du auch gern die eine oder andere Sache bereuen oder sogar betrauern - aber die Quintessenz lautet eben so, dass es kein Heute ohne Gestern gäbe. Es gäbe kein Lernen ohne Fehler. Und es gäbe kein Gefühl der Veränderung, wenn nichts passiert wäre.

 

Du kannst deine Haarfarbe ändern, deine Garderobe erneuern, du kannst deine Wohnadresse ändern, deine Einstellung, die Art und Weise wie du Dinge siehst. Du kannst dir neue Gewohnheiten zulegen, eine neue Musikrichtung für dich entdecken, kannst dich selbst und dein Leben aus einem völlig anderem Blickwinkel betrachten - es wird nichts daran ändern, dass es trotzdem immer wieder dieses eine Lied gibt, dass dich an früher erinnert. Es wird immer das eine Auto, die eine Autobahnabfahrt, den einen Satz, das eine Irgendwas geben, dass dich wissen lässt, dass dein Weg manchmal nicht einfach war. Dass er zuweilen in eine völlig andere Richtung führte, dass du auch mal eine völlig andere Begleitung hattest. Es wird immer irgendwas geben, dass dich nur für einen kurzen Moment zurück holt in eine Zeit, als deine Haarfarbe noch anders war, deine Adresse anders, dein Leben anders. Und wenn es so weit ist, kannst du es dir aussuchen: entweder, du heulst los wie eine völlig Irre, stehst schluchzend mitten auf der Straße oder vor der roten Ampel und wartest darauf, dass die Zeit sich rückwärts drehen anfängt, oder du lächelst. Du lächelst und denkst nicht daran, was du alles verloren hast, sondern was alles vor dir liegt. Du denkst daran, dass es tausend Gründe gibt stark und zuversichtlich zu sein. Du denkst an all das, was du geschafft hast, dass du dich für die richtige Wandfarbe in deiner neuen Küche entschieden hast und stöckelst weiter in Richtung Zukunft.

 

 

Das ist es, worum es geht. Das ist es, was dich neu werden lässt. Zuversicht. Hoffnung. Der Glaube daran, dass alles gut wird, solange du noch glauben kannst. Es geht darum jeden Tag ein wenig mehr neu zu werden. Selbst aus alten Plastikflaschen werden neue, hübsche Pullover gemacht. Und mit den Nachrichten von gestern wickelt man den frischen Fisch von heute ein. Die Vergangenheit gehört zur Gegenwart. Aber wir sind niemals dazu verdammt in ihr zu verharren oder ihr ewig nachzutrauern. Wir können aufstehen und ein völlig neues Heute erschaffen. Und damit auch ein völlig anderes Morgen. Wir können die Vergangenheit vergangen sein lassen, unsere Narben verarzten und nach vorne schauen. Und eigentlich bleibt uns auch gar nichts anderes übrig.