Ein schwerer Tag.
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- Veröffentlicht: 04. April 2015
Manchmal steht man morgens auf und weiß es, ohne aus dem Fenster zu sehen: heute ist ein furchtbarer Tag. Es schneit, es ist bewölkt und grau.. fast so, als ob das Wetter deine Stimmung widerspiegeln würde. Und du hast keine Lust zu lachen, hast keine Lust zu essen, oder versuchen glücklich zu sein. Heute ist ein furchtbarer Tag. Ein verlorener Tag. Heute ist ein Tag, an dem du dich einsam fühlen wirst - egal, wie viele Leute für dich da sein werden.
Heute ist der Tag, an dem meine Oma beerdigt wird. Alles was noch von ihr übrig ist, in eine kleine, metallene Urne gestreut, wird heute der Erde übergeben. Für mich fängt heute ein Leben an, an dem ich um meine Oma zu besuchen nicht einfach ihre Wohnzimmertür aufreissen kann und "Hallo!" schreien, sondern dort auf den Friedhof fahren muss, ein Grablicht anzünden und Gespräche mit einem gravierten Schriftzug auf einem Grabstein führen muss. Heute ist ein furchtbarer Tag. Es ist der Tag, an dem ich die Hälfte meiner Familie beerdige. Und egal ob Krisen und Katastrophen, Trennungen und Leid - heute ist ein Tag, an dem ich mich einsam fühle. Weil es mir vorkommt als wär mir nichts geblieben, außer die Gewissheit, dass ich alles verlieren kann und werde.
Liebe Oma,
ich weiß du hast es immer gehasst mich traurig zu sehen. Wenn meine Welt zusammengebrochen ist, ist es deine auch. Du hast dir 25 Jahre lang so schrecklich viele Sorgen um mich gemacht - andauernd. Du hast gesehen wie ich verlassen worden bin.. von Freunden, Familie, von Partnern und Dingen, die mir Kraft geben. Und während du ständig darum besorgt warst, dass ich doch wenigstens vernünftig essen solle oder aufpassen beim Autofahren, war es dir wohl nie klar, dass allein die Tatsache, dass ich wenigstens dich habe mir so viel bedeutet. Dass ich lachen kann, wenn ich dich beim Mogeln erwische und dass ich niemals allein bin, weil du dort auf deinem weißen Plastiksessel am Balkon sitzt, die Sonne genießt und einfach da bist.
Ich danke dir, dass ich in deinen letzten Stunden bei dir sein durfte. Dass ich deine Hand halten durfte und dir das Gefühl geben, dass sich auch jemand Sorgen um dich macht. Dass du auch nicht alleine bist, weil ich an deinem Bett sitze und warte, bis du wach bist. Ich danke dir, dass du 25 Jahre lang meine Oma warst, eigensinnig und stur und manchmal ein wenig angsteinflößend und böse. Du hast mich mit der Fliegenklatsche gehauen, wenn ich nicht brav war und eine Stunde danach Federball mit mir gespielt im Garten - du hast mir immer alles vergeben, egal was ich gesagt, gemacht oder getan habe. Jetzt musst du dir keine Sorgen mehr um mich machen. Jetzt kannst du alles machen, was dir Spaß macht. Gärtnern, Karten spielen, an der Sonne sitzen, Schnitzel essen, Apfelstrudel backen. Und irgendwann werden wir uns wieder sehen und Mensch ärgere dich nicht spielen.
I vermiss di, Oma. Danke, dass du imma für mi do woast.
Tag 6. Manchmal möchte man sich an etwas festhalten können. Egal an was. Manchmal braucht man jemand, der einem die Hand hält. Weil es Dinge gibt, die man nicht allein durchmachen sollte. Weil der Tag schon furchtbar genug ist, ohne den ständigen Gedanken des Verlustes im Hinterkopf. Jemand sollte da sein. Jemand solltest meine Hand halten und für mich da sein. Nicht weil man es mir schuldig ist, sondern weil es manchmal darum geht, für jemandem da zu sein, der einen braucht. Den Rest kann man nachher erledigen. Das Leben kann so lange warten, bis man eine Hand gehalten hat.
Vom Fasten, vom Essen und vom Appetit aufs Leben.
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- Veröffentlicht: 03. April 2015
Nun, Fasten ist so ein Sache. Eigentlich macht man es, um sich zu reinigen. Seinen Körper und seinen Geist. Besonders in der Religion geht es oft ums Fasten und um Verzicht. Man will dadurch zur Erleuchtung gelangen. Durch Verzicht zur Erleuchtung. Interessant.
Zum Fasten gehört vor allem Selbstdisziplin und Glaube. Egal ob man nun daran glaubt, dass man sein Idealgewicht erreicht oder zur Erleuchtung gelangt.
Beim Essen ist es was anderes. Man isst, um sich etwas Gutes zu tun. Weil es einem schmeckt, weil man Lust darauf hatte. Man genießt, entspannt. Essen kann furchtbar interessant sein. Verschiedene Geschmacksrichtungen auf unkonventionelle Art zusammengefügt, Gewürze, ein Hauch hiervon, eine Prise davon. Essen ist etwas geselliges, man tut es gern zu zweit, zu viert, zu x-t. Man kann dabei lachen und scherzen, einen schönen Abend haben. Essen bringt einen nicht zur Erleuchtung, es bringt einen irgendwie zusammen. Beim Essen geht es auch vorallem um Appetit. Meistens essen wir eigentlich nur, weil wir Appetit haben. Auf etwas Herzhaftes, auf etwas Scharfes, auf etwas Gesundes oder worauf auch immer.. wir haben Appetit.
Aus irgend einem Grund hat mein Körper beschlossen zu fasten. Ich habe seit sage und schreibe sieben Tagen keine feste Nahrung mehr zu mir genommen - und wenn, dann wollte es einfach nicht drinnen bleiben. Ich hatte sieben Tage lang weder Appetit noch Hunger noch irgendein Verlangen. Und obwohl ich, wirklich ungelogen, fast schon am Ende meiner Kräfte war, schwach und zittrig, unkonzentriert und total geschlaucht, gab es keine Möglichkeit irgend etwas anderes zu mir zu nehmen als Wasser und Tee.
Ich glaube, dass mein Körper mir damit etwas sagen wollte. Er wollte sagen: du musst alles loswerden. Ich leere dich so lange aus, bis nichts mehr übrig ist und dann kannst du neu anfangen. Dinge zuführen, die dir gut tun. Mein Körper wollte einen Neustart. Und heute, am ersten sonnigen Tag seit einer gefühlten Ewigkeit - hat er sich irgendwie neu gestartet. Mein Körper und mein Geist sind gereinigt. Ich hab sieben Tage lang alles weggegeben, was nicht gut für mich war... und jetzt bin ich am Weg zur Erleuchtung. Heute hab ich mich zum ersten Mal seit Monaten wieder so richtig selbst gespürt. Beim Inlineskaten hab ich mich plötzlich wieder gespürt. Hab alles hinter mir gelassen und bin einfach nur nach vorn. Ständig vorwärts, geradeaus, erst ein wenig unbeholfen aber dann doch ganz souverän - und als ich wieder zu Hause war, hab ich zum ersten Mal nach sieben Tagen aus eigenem Antrieb und weil ich es selbst so wollte etwas zu mir genommen. Es war vielleicht nur ein Brot (und irgendwie ist mir jetzt auch schlecht haha), aber es hat sich angefühlt, als wäre der Appetit zurückgekehrt. Der Appetit aufs Leben.
Das Leben serviert uns zuweilen wirklich ekelhafte Gerichte. Es schmeckt einfach nicht. Zu salzig, zu sauer. Das Leben ist ein schlechter Koch. Aber wir haben nunmal nur dieses eine, und wir müssen einfach schlucken, egal ob wir wollen oder nicht. Wohl können wir entscheiden zu verzichten. Wir können darauf verzichten Freunde zu haben oder Familie, wir können darauf verzichten, dass wir uns verlieben und die Liebe uns schlussendlich doch die Suppe versalzt. Aber.. willst du das? Willst du dein Leben lang auf alles verzichten, was deinem Leben Würze geben kann, nur weil du Angst davor hast, dass du es schlucken musst, auch wenn es dir nicht schmeckt?
Das Gute daran ist.. es gibt ein paar Tricks, wie man aus jedem misslungenen Gericht doch noch etwas Schmackhaftes machen kann. Man kann es einfach mit Käse überbacken. Oder Sahne dazugeben.
Irgendwie ist es einfach so. Manchmal müssen wir fasten, um uns einfach auszuleeren, von Altem zu trennen, alles loszuwerden, das uns schwer im Magen gelegen ist. Und manchmal, da müssen wir einfach versuchen, das misslungene Leben mit Käse zu überbacken, damit wir wieder Appetit darauf bekommen.
Tag 5. Wer aufgehört hat zu kämpfen, wird unweigerlich fallen. Es liegt an uns, ob wir liegen bleiben wollen, oder alles versuchen was in unserer Macht steht, dass es irgendwie weitergehen kann. Selbst wenn man für etwas kämpfen will, das vielleicht schon verloren ist.
Ohne Worte.
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- Veröffentlicht: 02. April 2015

Manchmal sagt ein Bild mehr als 1000 Worte.
Aufgenommen am 1. April 2015 im Volksgarten Linz.
Kein Filter, keine Bearbeitung. Nur das vergängliche, beschissene Leben.
Eine Million ccm Hubraum.
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- Veröffentlicht: 02. April 2015
Nun, ich gebe zu, dass Autos für mich schon immer ein Gebrauchsgegenstand waren. Du fährst von A nach B, man kann darin essen oder auch mal schlafen, es braucht sauteures Benzin zum fahren und Öl, das den Motor schmiert. Es gibt billige und teure und welche mit richtig viel PS und Pensionisten fahren alle viel zu große, mit denen sie heillos überfordert sind. Formel 1 Boliden (ja, die richtige Schreibweise musste ich eben googeln) sind für mich Blechdosen und Autofreaks sind alle Proleten. So legt man sich diese Dinge zurecht und denkt nicht weiter darüber nach - und verurteilt vielleicht auch noch jene, die es tun.
Jetzt, da ich viel Zeit habe und das Gefühl es mir selbst schuldig zu sein auch mal in eine Welt einzutauchen, der ich nie eine Bedeutung zugemessen habe, hab ich was erkannt: diese Autowelt ist auch nichts anderes als die Sportwelt, die Beautywelt oder die Musikwelt. Es geht um Leidenschaft, um Hingabe. Die Fahrer lieben ihren Sport so sehr, dass sie dafür ihr Leben riskieren. Hat es schon jemals einen tödlichen Unfall beim Nägel lackieren gegeben?
Was mich irgendwie besonders fasziniert ist der Hubraum. Erstens, weil ich das Wort in den letzten Monaten sicher tausend Mal gehört habe und nie wusste, was genau es ist und zweitens, weil es an sich für jemanden wie mich wirklich nicht einfach zu verstehen ist. Irgendwie. Also der Hubraum ist.. nein, ich kann es eigentlich wirklich nicht erkären. Aber es geht um Volumen. Wie viel Volumen die Zylinder im Motor verdrängen können. Und je mehr sie schaffen, desto leistungsstärker ist das Auto. Ich sehe vor meinen Augen, wie alle autobegeisterten, die das lesen, sich vor Lachen krümmen.
Aber für mich geht es vorallem darum: je mehr wir schaffen können, je mehr wir erleben und erfahren können, desto besser werden wir. Es geht nicht nur um Autos. Es geht ums Leben. Und legen wir in unser Leben genau so viel Leidenschaft, wie all die Rennfahrer in ihren Motorsport, so können wir doch eigentlich gar nicht scheitern. Wir leben stets mit der Gefahr zu sterben - und es ist genau so spannend wie ein Autorennen. Und während der Hubraum in Kubikcentimetern gemessen wird, so messen wir unser Leben doch in Glück, Abenteuern, Erfahrungen, Liebe... Es mag schon sein, dass ein Auto mit einem großen Hubraum viel kann und viel Leistung bringt, aber ein Leben mit einem großen Raum für Glück, Liebe, Freundschaft und Abenteuer hat doch irgendwie sogar noch mehr Leistung. Und dieser Hubraum ist nicht begrenzt. Er kann eine Million ccm betragen. Oder noch viel mehr.
Was ich heute gelernt habe ist, dass sich in jedem Hubraum was bewegt. Kolben, um genau zu sein. Sie bewegen sich von unten nach oben und verdrängen dabei ein bestimmtes Volumen. Und in unserem Hubraum bewegt sich auch manchmal was. Gefühlsregungen. Vielleicht springt unser Herz. Vielleicht rutscht es uns in die Hose oder vielleicht rumoren Erinnerungen in unserem Bauch. Vielleicht flattern ein paar Schmetterlinge. Vielleicht durchfließt uns endlose Trauer. Es bewegt sich was. Wir sollten unsere Kolben einschalten und es verarbeiten, vielleicht verbrennen oder in Kraft umwandeln. Das Problem dabei ist meistens nur, dass unser Hubraum mehr umfasst, als der eines BMW M5. Es sind manchmal mehr als 3,8 Liter. Manchmal sind es tausend. Und tausend Liter zu verarbeiten - nein, das ist wirklich nicht so einfach.
Tag 4. Irgendwie können sich meine Kolben einfach nicht bewegen. Vielleicht ein Kolbenfresser. Mangelhafte Schmierung. Überhitzung. Vielleicht hätte ich meine Seele schon eher mit ein wenig Glück und ein wenig frischer Luft schmieren sollen. Vielleicht wäre ich dann nicht völlig ausgebrannt.


