Herzlich Willkommen.

Bist du jemals aufgewacht, völlig zerstört und orientierungslos und hattest keine Ahnung wo du bist oder wie du hier her gekommen bist? Hattest rasende Kopfschmerzen und dieses Gefühl, als ob du irgendwie verloren wärst?

Nun, herzlich willkommen im Leben.

 

Manchmal läuft es so. Manchmal führen all unsere wohl überlegten Entscheidungen, unsere gut ausgesuchten Worte, unsere reflektieren Gefühle, unser wertvoller Erfahrungsschatz genau dort hin: ins Nirgendwo. Wir finden uns wieder in Situationen, die völlig unmöglich erscheinen. In Gefühlswelten, die wir niemals freiwillig betreten wollten. In einem Teufelskreislauf, der ständig an den Rande des Wahnsinns führt. Wir sind Menschen. Wir machen Fehler. Wir betreten täglich unerforschtes Terrain. Niemand hat uns erklärt wie das Leben funktioniert, also stellen wir unsere eigenen Regeln auf, nur um zu lernen, dass wir keine Macht über das Schicksal und den Zufall haben. Dass das Leben größer ist als unsere Vernunft, als unsere Vorstellungskraft, als wir. Wir lernen. Egal, ob es nun um die Grundsätze des Vertrauens geht, ob wir begreifen, dass wir die Liebe niemals verstehen werden oder dass Familie kein endgültiger, vorgeschriebener Begriff ist. Manchmal scheint es fast, als wäre unser Leben aus Teflon, und all unsere Erfahrungen und Erkenntnisse würden einfach nicht daran haften bleiben.

 

Wir halten uns an die Richtlinien. Das Mayonnaise-Prinzip, das Gesetz der Kohäsion, die Physik der Suche (*), an die unsterbliche Hoffnung, dass alles gut wird. Wir glauben ans Leben, daran, dass es uns dort hinbringen wird, wo wir hingehören. Wir glauben daran, dass es uns nur so viel Schmerz ertragen lässt, wie wir aushalten können. Wir sind sicher, dass es etwas Besonderes für uns bereithalten wird. Und doch wachen wir am Ende auf, völlig zerstört und orientierungslos und haben keine Ahnung wo wir sind oder wie wir hier her gekommen sind.

 

Das ist es worum es geht. Die Orientierung zu verlieren, um sich dadurch neue Wege zu erschließen. Der Verzweiflung wegen neue Richtungen einzuschlagen. Sich zu verlieren, um etwas zu finden. Zu entdecken, dass wir etwas vermissen, von dem wir gar nicht wussten, dass wir es verloren hatten. Entscheidungen zu treffen. Mögen es falsche oder richtige sein, egal. Wir können uns darüber freuen oder daraus lernen. Es geht darum unser Leben in die Hand zu nehmen und niemand anderen dafür verantwortlich zu machen als uns selbst. Es geht darum jeden Tag die Chance zu haben das Beste daraus zu machen.

Wir zaudern viel zu oft. Wir zerdenken unsere Möglichkeiten, spielen alles von A bis Z durch - mit dem Ergebnis, dass sowieso alles anders geworden ist. Wir machen uns zu viele Sorgen, was wohl passieren mag. Wir haben ständig das Gefühl alles beherrschen zu wollen, nur um die Erfahrung zu machen, dass wir es doch niemals können.

 

Bist du aufgewacht, völlig zerstört und orientierungslos und hast keine Ahnung wo du bist oder wie du hier her gekommen bist? Hast du rasende Kopfschmerzen und dieses Gefühl, als ob du irgendwie verloren wärst? Gratuliere, du lebst. Spül deine Sorgen mit Salz und Tequila hinunter, zieh deine Schuhe an und tanze im Regen. Die Wahrheit ist nämlich: in den meisten Fällen müssen wir gar keine Orientierung haben, um unseren Weg zu finden. In den meisten Fällen schlagen wir uns einen Pfad durch den Dschungel aus Ungewissheit und Zweifel, wir lernen, erfahren, erleben - und nennen das dann unseren Weg. Und es ist schon ganz richtig so. Sich manchmal verloren zu fühlen. Orientierungslos, ahnungslos und zerstört. Wie würden wir sonst jemals begreifen, wann sich etwas richtig anfühlt? Wie könnten wir sonst jemals spüren, dass wir leben, dass wir uns verändern und weitermachen.

Es gehört dazu manchmal ein wenig orientierungslos und zerstört zu sein und nicht zu wissen wo man ist und wie man dorthin gekommen ist. Ein Leben in Balance bedeutet auch, manchmal die Balance zu verlieren.

 

 

 

 

 

 

 

(*) Das erste physikalische Gesetz der Suche lautet ungefähr so: Wer mutig genug ist, alles Vertraute und Wohltuende hinter sich zu lassen, egal was, vom Haus bis zu alten Verletzungen und sich auf die Suche nach der Wahrheit macht, sei es nach innen gewandt oder nach außen, und wer wahrhaft gewillt ist alles, was ihm auf dieser Reise passiert als Schlüssel zu betrachten und jeden, der ihm unterwegs begegnet als Lehrer zu akzeptieren und vor allem, wer dazu bereit ist, sich unangenehmen Realitäten, die einen selbst betreffen zu stellen und diese zu verzeihen, dem wird sich die Wahrheit offenbaren. (eat pray love)

 

Das Mayonnaise-Prinzip

Es tut sich viel. Dauernd. Wir rennen durchs Leben, völlig überwältigt von seiner Komplexität, von seiner Geschwindigkeit. Wir treffen Entscheidungen und leiden darunter - oder freuen uns. Wir werden verletzt, sind wahnsinnig glücklich, fallen mit rudernden Armen ins Leere und denken manchmal wir könnten fliegen, angetrieben von reiner Glückseeligkeit. Und das abwechselnd, völlig ungeplant und unerwartet. Wir tun es. Leben. Obwohl wir es nicht immer verstehen, meistens keinen Sinn darin finden und komplett den Faden oder die Orientierung verlieren: wir tun es.

 

Das mit dem Leben ist so eine Sache. Man kann es sich eigentlich nicht aussuchen ob man es will oder nicht. Man wird geboren und ist da. Und alles beginnt sich zu verändern. In etwa 99% der Fälle haben wir nicht in der Hand was passieren wird, wo es uns hinträgt oder wie wir unseren Tag verbringen werden. An manchen Morgen stehen wir auf, voller Hoffnung und Zuversicht und abends weinen wir uns leise in den Schlaf, weil das Leben nunmal das ist, was passiert während man andere Pläne macht.

 

Es scheint verrückt zu sein. Völliger Schwachsinn. Wir überstehen den schlimmsten Schmerz, die tödlichste Krankheit, die dunkelste Phase. Wir verlieren alles woran wir glauben und machen doch weiter. Weil es das Leben ist. Weil es dazugehört zu leiden. Weil Schmerz uns wachsen lässt. Weil nur dunkle Erfahrungen uns erkennen lassen wo das Licht ist. Also tun wir es. Ohne Widerrede, ohne Zweifel. Wir versuchen unser Bestes zu geben, Hindernisse als Chancen zu sehen, Brücken über reißende Flüsse der Verzweiflung zu bauen. Und während wir all das Tag für Tag meistern, ist es uns manchmal gar nicht klar:

 

Es gibt im Leben ein Mayonnaise-Prinzip.

Nun, dieses Prinzip lautet in etwa so: wer nicht gewillt ist den vollen Geschmack, die komplette Erfahrung, die ganze Sünde zu erleben, der sollte es wohl lieber bleiben lassen. Wenn du Mayonnaise essen willst, die weder lebensnotwendig noch wichtig ist, wieso solltest du nicht den vollen Geschmack wollen? Ist es genau so befriedigend sich mit 25% abspeisen zu lassen, wohl wissend, dass auch das nicht gesund ist? Wenn wir also sündigen wollen, wieso dann nicht in vollem Ausmaß? Wenn wir unserem Leben Würze geben wollen, wieso nicht so viel wir kriegen können?

Welchen Sinn hat es, sich für weniger als alles zu entscheiden?

 

Es geht um die Entscheidung. Die Entscheidung so viel wie möglich zu wollen. Das meiste herausholen. Das Leben spüren - bis ins Knochenmark. Sich selbst spüren. Jede einzelne Faser des Herzens. Jeden einzelnen Nadelstich des Schmerzes, jeden Tropfen, der das Meer aus Tränen füllt, jeden Atemzug des Abenteuers. Wir sollten uns für die volle Ladung entscheiden, den vollen Geschmack, das komplette Erlebnis. Egal was wir tun. Liebe, Freundschaft, Glück  - so viel wir kriegen können! Wir haben keine Zeit für ein bisschen Liebe oder ein wenig Spaß. Keine Zeit für halbe Sachen und Feigheit.

 

Hol es dir. Alles. So viel wie nur möglich. So viel Liebe, Freundschaft, Glück und Spaß wie möglich. Sei gefasst auf die volle Ladung Schmerz und Kummer und dass du daran wachsen wirst so viel es geht. Wir können nicht lernen, wenn wir nur die Hälfte verstehen. Wir können nicht lieben, wenn wir nicht mit vollem Herzen dabei sind.

 

Dass mein Herz schlägt, dass ich atme, mein Kreislauf funktioniert, mein Herz Blut durch meinen Körper pumpt, dass  in jeder Sekunde etwa 1 Billion Synapsen Impulse mit über 700 km/h durch mein Gehirn feuern, ist wohl ein Wunder und sichert mein Überleben, aber leben ist mehr als überleben. Es geht um Nähe, um Liebe, Freundschaft, Hoffnung, Glück. Es geht um Familie, Vertrauen, sich weiterzuentwickeln. Um Leid, Schmerz, Verzweiflung, Sehnsucht. Und solange mein Herz, mein Kreislauf und mein Hirn ihren Job machen, ist mein Job so viel von dem Rest zu nehmen wie ich kriegen kann.

 

Keine halben Sachen. Keine halbfette Mayonnaise. Ich entscheide mich für den vollen Geschmack.

 

Das sind die Grundfeste, nach denen wir leben sollten. Alles wird gut. Nicht fast alles wird ein bisschen gut. Ich liebe dich. Nicht ich liebe dich vielleicht ein wenig. Ich bin glücklich. Ich freue mich. Ich will das. Ich entscheide mich. Ich bin mir sicher. Ich bereue nichts. Ja. Nein. Ja. Ja. Ja.

Ja zum Leben. Ja zum Mayonnaise-Prinzip. Ja zum vollen Geschmack - von egal was.

 

Die Hoffnung ist ein mieser Verräter.

Es mag uns alle erschrecken und furchtbar schockieren, aber eines haben wir alle gemeinsam, egal wie verschieden wir sind: wir hoffen. Es ist uns so angeboren wie atmen und fühlen. Wir hoffen. Wir hoffen auf bessere Zeiten, dass alles wieder gut wird. Wir hoffen auf ein gutes Ende, auf schöneres Wetter, auf Veränderung. Wir hoffen. Bei jedem Atemzug hoffen wir, dass es nicht der letzte sein mag, wir hoffen, dass es ein Morgen gibt, dass unsere Fehler nicht das Ende bedeuten. Wir hoffen eines Tages die wahre Liebe zu finden, wir hoffen eines Tages jemandem etwas zu bedeuten. Wir hoffen Spuren zu hinterlassen, etwas, woran sich jemand erinnert. Ganz egal was, wir hoffen. Ständig.

Und plötzlich passiert das Leben und Dinge, die wir erhofften, stellten sich als kompletter Reinfall heraus. Wir hofften auf Liebe und als wir sie bekamen, blieb nichts als Schmerz zurück. Wir hofften auf einen neuen Morgen und alles was wir bekamen war Regen. Wir hofften darauf, dass alles wieder gut wird und sahen, dass sich manche Dinge so sehr verändern können, dass sie nie wieder gut werden konnten - nur anders.

 

Das ist das Leben. Es ist egal was wir hoffen oder woran wir glauben, manchmal passieren die Dinge genau so, wie sie nunmal sollen. Es geht darum sich auf nichts zu verlassen. Sich nicht hinreissen zu lassen. Wir verfolgen unseren Weg. Natürlich steht es uns frei zu hoffen. Auf bessere Zeiten, auf Sonnenschein, darauf, dass alles wieder gut wird. Aber in Wirklichkeit gestalten wir unsere Zukunft selbst. Wir wollen bessere Zeiten, also arbeiten wir hart daran sie zu erreichen. Wir wollen Sonnenschein, also packen wir gute Laune und einen Regenschirm ein. Wir möchten dass alles wieder gut wird, also akzeptieren wir die Tatsache, dass die Vergangenheit vergangen ist, dass Gefühle genau so verglühen können wie Sternschnuppen und dass alles was wir bekommen können etwas ist, dass vielleicht gut ist, aber nie wieder so wie früher.

 

Hoffnung ist etwas wahnsinnig Schönes. Zu hoffen sagt, dass man bereitwillig in eine Zukunft blicken möchte. Dass man willens ist voran zu schreiten. Zu hoffen heißt, an etwas zu glauben. An eine Zukunft, an ein Morgen, an etwas, dass uns mitreißen kann, an Liebe, Abenteuer und an ein Leben, dass jeden Tag immer wieder vor uns liegt. Es obliegt uns selbst nicht an der Hoffnung zu ertrinken und stets zu vergessen, dass die Hoffnung allein uns niemals dorthin bringen kann, wo wir hinwollen.

Was das betrifft, ist die Hoffnung ein mieser Verräter. Ohne ein wenig Zufall, Schicksal, Mut, Lebenswillen, Glück und harter Arbeit bringt sie uns doch immer nur zum Verzweifeln und niemals weiter. Ständig nur zu hoffen und nichts zu tun ist niemals Sinn der Sache gewesen. Es geht darum alles zu tun, was man kann, alles zu geben, alles zu leisten und dann zu hoffen, dass es das wert war. Die Hoffnung hilft uns leben. Aber niemand hat je behauptet, sie wäre das Leben. Es ist ein wenig wie in dem italienischen Witz:

 

Ein armer Mann betet jeden Tag die Statue eines italienischen Heiligen an und fleht: 'Lieber Heiliger, bitte bitte bitte, mach, dass ich in der Lotterie gewinne.
Irgendwann wird die verärgerte Statue lebendig, blickt auf den flehenden Mann herab und sagt:

'Mein Sohn, bitte bitte bitte, kauf dir ein Los!

 

 

 

Danke, Yvonne Catterfeld.

Als wir klein waren hatten wir eine genaue Vorstellung von unserer Zukunft. Wir wussten was wir wollten, wie wir es bekommen würden, was wir tun und machen sollten um es zu erreichen. Irgendwann wurden wir älter und begannen danach zu suchen.

Und die schlechte Nachricht ist: wir haben niemals aufgehört danach zu suchen.

 

Egal was wir gefunden haben, was wir erreichen oder bekommen, irgendwie ist es niemals genug, niemals das eine Wahre, niemals das völlig Richtige. Irgendwas fehlt immer.

 

Liegt es an uns? Oder ist es das Leben, das uns stets nur 99% zugesteht? Kann es das sein? 99% Prozent Leben?

 

 

Nun, ich bin in der Tat noch mehr als jung, hab noch nichtmal die Hälfte von dem gesehen und erlebt, was das Leben noch für mich vorgesehen hat und trotzdem glaube ich zu wissen, dass es das Leben nur mit 100% gibt. Kein Rabatt, keine Aktion, kein verdammter Nachlass. Einhundert Prozent. Und das jeden Tag.

Wir finden also zu einhundert Prozent genau das, was das Schicksal für uns bereitgelegt hat und sind doch nicht zufrieden damit. Wir fragen uns was noch fehlt, obwohl rein mathematisch einhundertundzehn Prozent nicht möglich sind. Wir wollen das gratis Eis mit Streusel, wollen den Traummann mit dem perfekten Aussehen, ärgern uns weil der Einkaufsgutschein über 20% Rabatt statt über 25% ist. Wir möchten ständig alles und dazu noch mehr. Glücklich sein allein ist zu wenig. Es muss noch mehr geben.

 

Wirklich?

 

Vielleicht sollten wir manchmal darüber nachdenken, was Glück eigentlich bedeutet. Was es ist.  Glück ist eine Entscheidung, die wir jeden Tag aufs Neue treffen. Es ist eine Lebensweise, die wir uns selbst schaffen. Glück ist, die kleinen Dinge des Lebens zu schätzen zu wissen. Den Moment zu genießen. Sich durchströmen zu lassen vom Leben. Glück ist klug genug sein sich nicht über den Stau auf der Autobahn zu ärgern, sondern ihn zu nutzen ein paar Minuten Sonne zu tanken. Glück ist Freunde zu haben, die einem die Gewissheit geben, dass man nicht allein ist. Glück ist Gesundheit. Glück ist die Hoffnung niemals zu verlieren, dass alles wieder gut wird. Glück ist, ein gratis Eis zu bekommen. Und zwar egal ob Streusel drauf sind oder nicht.

Wonach suchst du noch, wenn du gesund bist, hoffnungsvoll, zuversichtlich, Freunde hast und ein gratis Eis? Gibt es denn tatsächlich mehr das wirklich zählt als das?

 

Natürlich suchen wir. Ständig. Nach unseren Schlüsseln, nach der perfekten Lippenstiftfarbe, nach Lösungen, nach Liebe. Wir suchen nach der Gewissheit auf dem rechten Pfad zu sein. Aber zwischendurch sind wir uns es selbst schuldig kurz zu pausieren. Die Augen zu schließen und darüber nachzudenken, dass wir meistens schon viel mehr haben, als wir uns jemals erträumt haben. Und solange wir nicht forumlieren können was genau es ist, das wir noch unbedingt brauchen, sollten wir einfach den Moment genießen und im Stau Sonne tanken, unser gratis Eis auch ohne Streusel fröhlich verspeisen und mit unseren Freunden aufs Leben anstoßen. Wir könnten auf der Suche nach dem zukünftigen Glück das derzeitige völlig verpassen. Was wäre das für eine sinnlose Verschwendung. Vielleicht geht es darum. Zu suchen. So lange, bis wir erkennen, dass wir alles schon haben. Die Suche ist das, was uns vorantreibt. Und die Tatsache, dass wir niemals fündig werden, ist das, was uns zerbricht.

 

Sind auf der Suche nach irgendwas
Sind auf der Suche nach etwas mehr
Sind auf der Suche nach irgendwas
Nur was es ist, kann keiner erklär'n
Hauptsache, ein bisschen mehr

 

Danke, Yvonne Catterfeld.

 

 

Juju, Pötti & Manu. Ich liebe euch sehr.