Ein Leben nach den Tränen.
- Details
- Veröffentlicht: 29. März 2015
Der Vorteil daran, wenn man einen ganzen Tag zum Weinen hat ist, dass man auch einen ganzen, langen Tag zum Nachdenken hat. Man kann in Ruhe darüber sinnieren, wer man ist, wer man sein will, wo man hin will, was einem fehlt und wie es so weit kommen konnte. Man kann darüber nachdenken, ob man vielleicht öfter nachdenken sollte. Oder weinen. Oder beides. So ein Tag gibt einem die Möglichkeit sich vorzustellen, was Glück überhaupt für einen bedeutet und sich Ziele setzen, um dieses zu erreichen. So ein Tag zum Weinen ist eigentlich gar nicht mal so schlecht. Bis auf die unendliche Traurigkeit natürlich. Und das grenzenlose Leid.
Natürlich geht es einem danach nicht plötzlich wieder gut. Eigentlich hat sich durch das Weinen ja auch nichts geändert. Es ist kein Durchleben der Trauerphasen in Lichtgeschwindigkeit, oder das plötzliche Erwachen aus einem bösen Traum. Es ist ein Tag nur für sich allein. Für sich und tausende von Tränen, die vielleicht schon viel eher vergossen werden sollten.
Was wir oft vergessen, ist die Tatsache, dass wenn etwas endet, zugleich etwas Neues beginnt. Natürlich wollen wir das Neue nicht haben Wir wollen verdammt nochmal das Alte zurück! Das alles, weswegen wir weinen! Aber irgendwann, wenn die Tränen versiegen und der Körper es einfach nicht mehr schafft neue zu produzieren, wird einem klar, dass danach etwas kommen muss. Nach den Tränen. Es muss ein Leben nach den Tränen geben. Vorerst wird dieses Leben nicht schön sein. Es wird beschissen sein. Einsam. Zerissen. Schmerzhaft. Traurig. Es wird sehnsüchtig sein. Sehnsüchtig nach dem davor. Nach Glück, Liebe und Zuversicht. Es wird dunkel sein, egal, wie hell die Sonne auch strahlen mag.
Nach den Tränen eröffnet sich ein Tal, durch das wir wandern müssen. Schwerfällig. Langsam. Unbeholfen. Vielleicht haben wir Angst. Und doch dürfen wir nicht aufhören daran zu glauben, dass nach dem Tal etwas Schönes auf uns wartet. Es wird niemals wieder ein davor geben. Aber es kann etwas entstehen, dass so viel besser ist als davor. Wir können Dinge finden, die uns so sehr gefehlt haben. Die Leidenschaft zum Sport, das völlige k.o. sein nach einer durchfeierten Nacht. Vielleicht wagen wir uns auf neues Terrain. Vielleicht entdecken wir etwas für uns, von dem wir niemals glaubten, dass es uns gefallen könnte. Vielleicht finden wir uns selbst wieder in einem völlig neuem Sein. Eine Art zu Leben, an die wir nie gedacht haben. Wichtig ist, dass uns klar sein muss, dass es dauert. Dass man Zeit braucht. Dass es vorerst einfach nur mal darum geht, irgendwie den Tag zu überstehen. Egal wie einsam, allein, furchteinflößend und dunkel er auch sein mag.
Tag 0.


