Alles sein.
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- Veröffentlicht: 10. Dezember 2012
Manchmal sind wir alles. Und manchmal sind wir nichts. Und doch ist es immer nur so viel, wie wir es uns selbst erlauben zu sein.
Als wir klein waren hörten wir es andauernd: "Sei leise", "Sei ruhig", "Sei brav", "Lächle!", "Hör auf zu weinen", und ähnliches. Also waren wir es: wir waren leise, waren ruhig, waren brav, wir lächelten und hörten auf zu weinen. Selbst dann, wenn uns eigentlich gar nicht danach war. Wenn wir schreien und lachen wollten, wir wir herumtoben und verrückt sein wollten. Wenn wir gar keine Lust hatten zu lächeln, oder wenn uns einfach nur nach weinen zumute war.
Heute sind wir erwachsen geworden. Und obwohl wir so vieles sind, so sind wir doch viel zu selten einfach alles. Und eigentlich fast niemals das, war wir sein wollen. Wer fängt schon in der Kirche einfach lauthals zu lachen an? Wer steht in der Fußgängerzone und weint, einfach nur, weil einem gerade danach ist? Wer rennt im Büro herum und tanzt und singt, einfach nur, weil ein schöner Tag ist?
Natürlich ist es manchmal nicht angemessen. Und natürlich gibt es Grenzen. Aber viel zu oft stecken wir uns Grenzen, wo eigentlich gar keine sind. Ist dir nach Weinen? Möchtest du lachen? Wieso tust du es nicht? Sei alles! Sei traurig, sei fröhlich, sei glücklich, sei ausgelassen und unbeschwert, sei ruhig, sei melancholisch, sei aufgebracht oder wütend. Die einzigen, die uns oft daran hindern sind doch immer nur wir selbst.
Wir können nur dann alles sein, wenn wir es uns auch erlauben.
Und was mich betrifft, so möchte ich so vieles sein - und am Liebsten alles. Und ich tue es. Jeden Tag. Ich bin alles, was ich sein möchte. Was ich daraus gelernt habe? Wenn ich alles bin, dann bin ich glücklich. Selbst, wenn ich dabei weine. Also tut es: seid so viel, wie ihr könnt. Seid alles. Denn "sein" an sich, ist manchmal einfach nicht genug.
Die Kinder des Zufalls und des Schicksals.
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- Veröffentlicht: 05. November 2012
Sie saß auf ihrer Bank im Park und lächelte, als sie mich kommen sah. "Ich wusste, dass du kommen würdest", sagte sie und sah mich an, "du willst es wissen, oder? Das Geheimnis vom glücklich sein." Ich setzte mich neben sie und sagte: "Ja, will ich unbedingt. Ich brauche Antworten."
Sie schüttelte den Kopf. "Das was wir brauchen, was wir wollen oder uns wünschen und was wir letztendlich kriegen, sind oftmals drei ganz verschiedene Dinge."
Wenn wir darüber nachdenken, was wir irgendwann einmal wollten, was wir eigentlich brauchten und was wir schlussendlich bekommen haben, müssen wir manchmal vielleicht sogar ein wenig lachen. Viel zu oft liegen zwischen diesen drei Dingen nämlich Welten - und egal wie sehr wir uns bemühen, nicht immer schaffen wir es zwischen ihnen Brücken zu bauen. Jedem Wunsch geht ein Gedanke voraus, jedem Bedürfnis ein Gefühl und jedem Endergebnis eine Aktion. Gedanken, Gefühle, Aktionen - drei Dinge, die wir eigentlich fast niemals so vereinen können, wie wir es uns vorstellen. Wie oft haben wir und schon etwas eingeredet, obwohl wir deutlich gespürt haben, dass es eigentlich ganz anders ist? Wie oft möchten wir ausbrechen, einfach unserem Herz folgen und tun es einfach nicht? Und wie oft haben wir am Ende etwas bekommen, mit wem wir uns wohl abgefunden haben, vielleicht sogar zufrieden waren, aber es war doch niemals genau das, was wir wollten oder brauchten?
Es geht im Leben natürlich nicht immer darum genau das zu kriegen, was man will. Umwege sind nötig, sie führen uns auf neue Pfade, lassen uns Dinge entdecken, von denen wir nicht die kleinste Ahnung hatten. Und nicht immer ist das was wir brauchen, das was wir auch wollen, geschweige denn kriegen - und ebenso umgekehrt.
In Wahrheit ist es doch so: unsere Gedanken, Gefühle und Aktionen sind Kinder des Zufalls und des Schicksals. Sie können so unterschiedlich und manchmal auch widersprechend sein, wie Feuer und Wasser. Wir können nichts dagegen tun: wir müssen uns damit abfinden. Und manchmal haben wir Glück, und wir bekommen vielleicht etwas, von dem wir gar nicht wussten, wie sehr wir es brauchten oder wollten - so lange, bis es nunmal da war. Fragt die glücklichen Mütter, die eigentlich niemals Kinder wollten. Fragt den verliebten Kerl, der immer meinte er brauche keine Frau im Leben um glücklich zu sein. Fragt alle, die eigentlich nichts wollten und nichts brauchten, etwas bekamen und nun zufriedener sind denn je.
So ist es im Leben. Wir wollen, wir brauchen, wir wünschen und träumen. Wir bekommen und lernen. Und wenn wir uns aufraffen und einfach das Beste aus allem herausholen, verstehen wir am Ende vielleicht, dass jenes Ding, das wir bekommen haben und niemals wollten oder brauchten schlussendlich etwas geworden ist, das wir doch immer vermissten.
Oh. Und das Geheimnis vom glücklich sein? Die Frau im Park hat es mir an jenem Tag nicht verraten. Ich hab es selbst entdeckt - aber ich verrate es nicht. Es ist nämlich ein Geheimnis.
Für die Frau im Park, an deren Namen ich mich nicht mehr erinnere, aber an deren Worte dafür um so genauer.
21 Gramm, die das Leben ausmachen.
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- Veröffentlicht: 22. Oktober 2012
1907 bewies der Wissenschaftler Dr. Duncan MacDougall, dass im Moment des Todes jeder Körper 21 Gramm an Masse verliert. Während sich sämtliche Ärzte darüber streiten was wohl die Ursache dafür sein mag, sind sich die Philosophen sicher: es ist das Gewicht der Seele, die im letzten Augenblick aus unserem Körper entweicht.
21 Gramm, die ein Leben ausmachen. Die unsere Welt erschaffen. Die uns ausmachen. Die wir sind.
21 Gramm mag nicht viel sein. Eine viertel Tafel Schokolade. Eine halbe Orange. Ein kleiner Kolibri. Und doch ist es so bedeutungsschwer, dass man es in Zahlen gar nicht ausdrücken kann.
Wir alle sind so vieles. Und doch sind wir am Ende nur 21 Gramm. 21 Gramm Leben, Liebe, Leid. 21 Gramm Erfahrungen und Momente. 21 Gramm Seele. 21 Gramm, die uns immer daran erinnern sollten, dass am Ende nichts übrig bleibt. Wir können nichts mitnehmen, können nichts aufbewahren oder behalten. Am Ende hinterlassen wir lediglich ein gelebtes Leben, Erinnerungen und, wenn wir Glück haben, ein wenig Sehnsucht. Das einzige, das wir wirklich jemals besitzen, sind 21 Gramm. 21 Gramm wir selbst, getragen durch eine fantastische Reise, durch die schlimmsten und die besten Zeiten. 21 Gramm, das Gewicht von Liebe, Freundschaft, Sehnsucht, Erinnerung, Ärger, Wut, Leid, Freude. Das Gewicht von Erfahrungen, Abenteuer, von Überwindung, Trauer, Schmerz, Freiheit und Unbeschwertheit. Das Gewicht unserer Wünsche und Träume, unserer Ziele und Vorstellungen.
Es mag sich wenig anhören, und doch ist es so unendlich viel. So unendlich viel mehr, als wir uns wohl jemals vorstellen können.
... Ja. Deshalb habe ich Kolibris tattoowiert. 21 Gramm, in Form eines Kolibris dargestellt, die mich jeden Tag daran erinnern, dass das Wertvollste, das wir besitzen, das Leben selbst ist.
Für alle, die meine 21 Gramm so unendlich wertvoll machen.
Mathematik, wir l(i)eben dich!
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- Veröffentlicht: 17. August 2012
Egal wen wir fragen, die meisten beantworten die Frage „Welches Fach hast du in der Schule am meisten gehasst?“ mit „Mathematik!“. Und trotzdem tun wir es. Wir rechnen. Jeden Tag.
Wir berechnen unsere Chancen, berechnen die Risiken und die Möglichkeiten. Wir rechnen uns aus, wie lange etwas wohl noch dauern mag, berechnen die Wahrscheinlichkeit, dass dieses oder jenes geschieht. Wir zählen eins und eins zusammen und ziehen daraus unsere Schlussfolgerungen. Wir subtrahieren Dinge aus unserem Leben. Wir suchen nach der Summe des Glücks. Wir fragen nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner oder dem größten gemeinsamen Vielfachen. Wir rechnen ununterbrochen.
Wir suchen nach Formeln und Gesetzen, um uns das Leben zu erklären und leichter zu machen. Wir sind fast süchtig danach Beweise zu finden. Wir wollen es verstehen. Egal was.
Und während dieser ganzen Rechnerei vergessen wir oftmals, dass es selbst in der Mathematik Unbekannte gibt, die man einfach nicht errechnen kann. Dass es auch in der Mathematik Gleichungen gibt, die nicht lösbar sind. Dass nicht immer ein schönes Ergebnis herauskommen muss. Und dass die Ergebnisse variieren, je nachdem für welchen Weg man sich entschieden hat.
Eins plus eins gleich Zwei. Das haben wir schon früh gelernt. Aber dass ein Leben plus eine Möglichkeit nicht immer gleich ein Erfolg sein muss, das erfahren wir erst später. Freundschaft plus Streit ist nicht immer gleich Versöhnung. Liebe plus das richtige Timing ist nicht immer eine perfekte Beziehung. Und im Leben wird es immer mehr Unbekannte geben als Konstanten.
Manchmal ist es besser die Rechnerei einfach sein zu lassen. Das Leben addiert sich nicht aus Zahlen und Wahrscheinlichkeiten, sondern aus Momenten, in denen wir glücklich sind. Und eben jene Momente sind es, die wir niemals errechnen können. Sie passieren. Tauchen plötzlich in der Gleichung auf und werfen das gesamte Ergebnis komplett über den Haufen.
Und wenn wir ehrlich sind, sind die schönste Ergebnisse doch immer jene, mit denen wir niemals gerechnet hätten.


